Donnerstag, 28. April 2011

was der große Kindersender zu "Kein Küsschen auf Kommando" denkt ... und was ich so antworte

Da hatte ich heute eine Mail im Posteingang.
Da hat sich die gute Frau des Kindersenders wirklich hingesetzt und mir ausführlich geantwortet.
Ich wünschte irgendwie sie hätte es nicht getan.
Nicht dass ich das alles bisher wahnsinnig pädagogisch fand, was da so läuft, aber irgendwie hatte ich schon die naive Vorstellung, dass da Menschen sind, die eine wage Ahnung davon haben, was sie machen.
Nun muss ich antworten, wa? Und ihr was über Prävention schreiben....ah mensch.

Hier ihre Mail an mich. Ich sitze schon an der Antwort, aber bin noch nicht fertig. Ich weiß irgendwie gar nicht wo ich anfangen soll.


Sehr geehrte Frau B....,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass wir erst heute
auf Ihre Zuschrift reagieren. Aufgrund der Postberge, welche uns in den
vergangenen Wochen erreichten, war es uns leider nicht eher möglich.

Sie geben uns eine Rückmeldung zu einer Folge der Serie "Kleine
Prinzessin". Wir freuen uns über Ihre Zuschrift und die kritische
Auseinandersetzung mit der kleinen, recht selbstbezogenen, ein wenig
verzogenen Prinzessin.

Bei der Episode "Ich will die Tante nicht küssen" handelt es sich um die
den meisten Eltern vertraute Situation, dass das Kind von einem zum anderen
Tag die herzliche und familienübliche Begrüßung einer alten Tante
verweigert. Die Tante ist ja nun keine Fremde, sondern ein wohlbekanntes
Familienmitglied, das von Zeit zu Zeit zu Besuch kommt und auch in unserer
Serie wiederholt auftaucht. In den anderen Folgen hat die kleine Prinzessin
stets großen Spaß mit der alten Tante, sei es, dass eine Theateraufführung
nicht so gelingt wie geplant, sei es, dass der gemeinsame Urlaub schöner
ist als der getrennt verbrachte.

In der von Ihnen benannten Folge soll also die Prinzessin die Tante mit
einem Kuss begrüßen, was vom König und der Königin nicht hinterfragt wird,
weil das offenbar in der Tradition des Schlosses so gebräuchlich ist. Das
ist natürlich eine Konvention, die nicht in jeder Familie üblich ist. In
manchen werden Küsse ausgetauscht, in manchen ein Wangenkuss verabreicht,
dann wieder reicht ein freundlicher Handschlag. Insofern steht der
geforderte Kuss beispielhaft für eine herzliche Geste. Das sollten Sie mit
Ihrer Tochter in dieser Weise besprechen. Niemand will die zuschauenden
Kinder zum Küssen zwingen. Es tut uns leid, dass Sie das Filmexempel so eng
missverstanden haben. Andrerseits kennen alle Eltern die Situation, dass
Kinder einen Besucher nicht begrüßen wollen, dieses Ritual aber zur
Erziehung gehört. Dies ist die wahre und eigentlich sehr pädagogische
Botschaft, die der Autor Dave Ingham und wir mit dieser Episode vermitteln
wollten. Denn schließlich, und auch das zeigt der Film, führt die Akzeptanz
zu fröhlichem Miteinander und gemeinsamem Vergnügen.

Wir hoffen, das Missverständnis ausgeräumt zu haben und dass Sie weiterhin
gemeinsam mit Ihrer Tochter viel Spaß bei und mit der kleinen Prinzessin
haben werden.

Beste Grüße aus Erfurt sendet

M... H....

______
Edit


Und um die Aussagen hier nicht einfach so unkommentiert stehen zu lassen, hier meine Antwort.
Eigentlich ein wirklich anschauliches Beispiel, denn ich denke, dass was die nette Frau des Kindersenders hier schreibt, ist die Meinung der meisten Menschen, die sich noch nicht mit Prävention von sexuellem Missbrauch auseinander gesetzt haben.



Sehr geehrte Frau H.,



Vielen Dank für Ihre ausführliche E-Mail. 
Ich war postitiv überrascht überhaupt eine Antwort zu bekommen. Nun habe ich aber das Gefühl noch einige Dinge klarzustellen. Ich denke, Sie haben eine falsche Vorstellung davon, was mein großes Problem an der Folge der kleinen Prinzessin ist.

Ich habe ich mich als Erziehungswissenschafterin auf das Thema sexueller Missbrauch und Prävention von sexuellem Missbrauch spezialisiert, als diese möchte ich Ihnen kurz umreißen, wie Kinder zu Opfern sexuellen Missbrauchs werden und dann konkret auf die Episode der Kleinen Prinzessin eingehen. 
Ich hoffe so das vorliegende Missverständnis klären zu können.

In Deutschland ist etwa jedes 4. Mädchen und jeder 9. Junge im Verlauf ihrer Kindheit und Jugend mindestens einmal von sexuellem Missbrauch betroffen. 
50% davon von schwerem sexuellen Missbrauch, das heißt mit körperlichem Kontakt, die anderen 50% werden missbraucht, indem sie z.B. gezwungen werden Pornos anzuschauen oder sich vor der Täter bzw. Täterin selbst zu befriedigen usw. 
Die meisten Opfer sind zwischen 6-12 Jahre alt. Viele Kinder werden aber schon im Kleinkindalter oder aber auch als Säuglinge sexuell missbraucht.
Oft vollzieht sich der Beginn des Missbrauchs (und dann auch der Missbrauch selbst) über einen sehr langen Zeitraum. In diesem gehen Täter und Täterinnen (mindestens 15% der Menschen die Kinder sexuell missbrauchen sind auch Frauen) immer weiter in der Schwere seiner Handlungen. 

Die Täter und Täterinnen  sind zu 90% im engen und engsten Familien- und Bekanntenkreis zu finden. 
Das heißt, es handelt sich um Menschen die das Kind gut kennt und denen es oftmals vertraut - wie z.B. Erzieher und Erzieherinnen, Lehrer und Lehrerinnen, die Eltern selbst, Stiefeltern,Onkels und Tanten, Cousins und Cousinen, enge Freunde der Familie, Nachbarn und Nachbarinnen, Sporttrainer, Kinderpsychologen, Ärzte usw.
Weniger als 10% der Täter und Täterinnen waren dem Kind vor der Tat nicht bekannt. Das allgemein kursierende Bild des gefährlichen Fremden mit den Bonbons ist also ein Irrtum.
 
Wir wissen also, dass Täter und Täterinnen im Regelfall vertraute Personen sind
Genau diese Position nutzen Täter und Täterinnen als Strategie, um die Kinder zu verunsichern und gefügig zu machen. Die Täter und Täterinnen missbrauchen einerseits und andererseits bekommen die Kinder oft tolle Geschenke und Zuneigung von ihnen. Diese Mischung im Zusammenspiel mit Täterstrategien, zur Internalisierung von Schuld und schlechtem Gewissen, führt, neben einem großem Wirrwarr von irritierenden Gefühlen, zu  Schweigen über die Tat.

Eine identitätsstärkende Erziehung ist also ein Grundpfeiler moderner präventiver Arbeit. Präventive Arbeit stellt nicht die Gefahr des sexuellen Missbrauchs in den Mittelpunkt, sondern versucht die Kinder im Alltag zu stärken. Dazu gehört die Stärkung der Intuition des Kindes und die Ermutigung zum Widerstand und Ungehorsam, besonders in Situationen die das Selbstbestimmungsrecht des Kindes (eines jeden Menschen übrigends) einschränken.

Dem zu Grunde liegt die Idee, dass ein Kind was zu Gehorsam erzogen wurde und dem suggeriert wurde, dass Erwachsene immer recht haben, sich in einer Situation des sexuellen Missbrauchs nicht wehren kann.
Ein weiteres Präventionsziel ist auch die Sensibilisierung für mögliche Missbrauchssituationen: Keiner darf dich küssen wenn du es nicht willst usw. 
Kinder sollen also vorher schon so gestärkt werden, dass sie von dem Verhalten des Täters oder der Täterin irritiert sind und sich Hilfe holen.

Allgemein gilt es also Kinder in Alltagssituationen darin zu stärken, dass sie möglichst durch das Verhalten des Täters irritiert sind was im besten Fall dazu führt dass sie sich einer Dritten Person mitteilen.

Bezogen auf die besagte Folge der Kleinen Prinzessin sehe ich das wie folgt:

Ich habe die Prinzessin als eine sehr mitfühlenden und kooperativen Mensch "beobachtet". Sie ist selbstbewusst und wird von den Erwachsenen mit Respekt behandelt. 
Ich fand immer, dass sie eine tolle Identifikationsfigur für Kinder darstellt. 
Und bis auf die von uns nun diskutierte Folge mit dem Kuß, mag ich die Serie aus diesen Gründen wirklich gerne.

Sie schreiben:
"In der von Ihnen benannten Folge soll also die Prinzessin die Tante mit
einem Kuss begrüßen, was vom König und der Königin nicht hinterfragt wird,
weil das offenbar in der Tradition des Schlosses so gebräuchlich ist. Das
ist natürlich eine Konvention, die nicht in jeder Familie üblich ist. In
manchen werden Küsse ausgetauscht, in manchen ein Wangenkuss verabreicht,
dann wieder reicht ein freundlicher Handschlag. Insofern steht der
geforderte Kuss beispielhaft für eine herzliche Geste."

Ja, leider ist es viel zu oft noch üblich, dass Eltern nicht nur gewisse Vorstellungen davon haben, wie ihre Kinder andere Menschen begrüßen sollten, 
sondern diese mit körperlich oder erpresserischen Mitteln durchsetzten. Genau diese Strukturen machen Kinder zu potentiell sehr geeigneten Opfern. Wie sollen Kinder noch entscheiden können ob es Ok ist oder nicht wenn und was ein anderer Erwachsener über ihren Körper ihr Verhalten bestimmt?!
Genauso wenig wie wir als Erwachsene dazu gezwungen (ob auf manipulative Weise oder durch körperlichen Einsatz) werden sollten jemanden anderes zu Küssen (sei es auch nur zur Begrüßung) genauso wenig darf dies Kindern passieren. 

Natürlich ist es sehr oft so dass Eltern sich in einem Konflikt befinden: einerseits gibt es soziale Konventionen und andererseits das eigene Kind, dass diese noch nicht beherrscht oder (gerade nicht) ausüben möchte. Und genau hier liegt der Beitrag den jedes Elternteil zur Prävention von Missbrauch leisten  kann: sich genau solchen Situationen gegenüber zu Sensibilisieren und diese zu hinterfragen. Das Kind als Mensch mit dem Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen und schützen. (Achtung, dies heißt nicht das Kinder tun und lassen können was sie wollen, also bitte nicht verwechseln!)
Natürlich muss nicht alles was Kinder konsumieren eine Prävention vor sexuellem Missbrauch sein, könnten Sie einwenden.
Natürlich nicht. Es verstreicht zwar eine nette Chance, die Prävention wieder mal in den harmlosen Alltag einzubinden (denn dass die Tante der kleinen Prinzessin ihr nichts böses will, ist ja offensichtlich), aber nun gut.

Dennoch möchte ich Sie noch auf eine weitere Problematik hinweisen, die sie bisher garnicht in ihre Überlegungen einbezogen haben.
Wie gesagt kommen sehr viele Kinder im Lauf ihrer Kindheit mit sexuellem Missbrauch in Kontakt, werden direkt oder indirekt Opfer. 
Die besagte Folge der kleinen Prinzessin werden also sicher Kinder gesehen haben, die bereits Opfer von schweren sexuellen Missbrauch geworden sind. 
Viele davon, haben erfahrungsgemäß noch nicht den Mut gefunden, sich irgendwo Hilfe zu suchen und müssen die Situation mit sich selbst ausmachen.
Bei sexuellem Missbrauch laufen gewisse Muster 
ab (oben sprach ich z.B. bereits von Täterstrategien), diese Muster erkennen betroffene Kinder wieder.
Das Küsschen, obwohl man eigentlich nicht möchte und das Geschenk was man dafür bekommt, sind genau solche Muster, die viele betroffene Kinder kennen und hier mit Sicherheit wiedererkennen werden. Was für diese Kinder also als Quintessenz dieser Folge der kleinen Prinzessin stehenbleibt ist, dass auch die kleine Prinzessin etwas tut was sie nicht möchte, was sie sogar ekelig findet, dass sie dafür aber schließlich ihr Geschenk bekommt und die Eltern stolz und zufrieden sind, sie sich also nicht so anstellen soll.

Weiterhin schreiben Sie dass "die Akzeptanz zu fröhlichen Miteinander und gemeinsamen Vergnügen" führt. Warum muss dieses Vergnügen auf Kosten des Kindes gehen? Warum kann hier nicht die erwachsene Tante akzeptieren, dass das Kind die Tante gern hat ihr aber kein Kuss geben möchte? 

Kinder lernen an Vorbildern, in dieser Position sollten wir uns als Erwachsene konstant hinterfragen ob soziale Konventionen immer wichtiger als individuelle Grenzen sind oder ob nicht soziale Konventionen eh nur so weit reichen sollten wie sie die Grenzen des Einzelnen nicht überschreiten?!


Mit freundlichen Grüßen
...

Mittwoch, 27. April 2011

Suche Blogs mit Bildern von tollen Räumen- Gewinnertipp wird mit Retrostoffpaket belohnt

Ich bräuchte mal Eure Hilfe.
Das Gartenhäuschen ist soweit entkernt und renoviert. Jetzt braucht es nur noch den Feinschliff. Das heißt, welche Farben sollen an die Wände? Was soll an die Fenster?
Ich brauche Ideen.
Kennt ihr tolle Wohn-Blogs die als Inspirationsquelle dienen könnten?


Für so ein Wochenendhaus fände ich ja was verspieltes in zarten Farben gut.
Die Mutter des kleinen Bruders auf Zeit, mit denen wir uns den Garten ja teilen, hat gesagt, sie fände englische Rautentapete chic. (Kann ich mir noch gar nichts drunter vorstellen, aber ich bin gespannt).


Der Raum ist etwa 18qm groß, zur Zeit liegt auf dem Boden helles Laminat. (R. hat sich fest vorgenommen nächstes Jahr Dielen zu verlegen- er als militanter Laminatgegner).



Und um den Spaßfaktor zu erhöhen bekommt der Gewinnertipp ein Retro-Stoff Überraschungspacket mit 500gr Stoff aus der Mohn-Marzipan Werkstatt.
(500gr ist ein großer Versandumschlag voll.)
Verschiedene Größen und Arten von Stoff werden in dem Paket sein. Retroblumen, ein Stück Graziela, alte Bettwäschestücke, Handtuchteile.

Am Freitag fahren wir in den Baumarkt und am Samstag wird gestrichen.
Ich bin gespannt auf Eure Ideen und tolle Wohn-Blogs, die ich noch nicht kenne.
Gewinnen wird der Tipp der am ehesten zu der Umsetzung am Wochenende beigetragen hat. Ob ihr eine konkrete Idee habt, oder ich dann was auf einem von Euch vorgeschlagenen Blog oder Website entdecke ist egal.
 Außerdem ist ja mal so eine Ideensammlung sowieso fein, auch wenn es nicht direkt um dieses Gartenhaus von uns geht.

Donnerstag, 21. April 2011

Kein Küsschen auf Kommando

Das Kind, R. und ich finden ja die kleine Prinzessin von Tony Ross ziemlich gut.

Letztens kam eine Folge auf Kika. In der Folge ging es darum, dass eine Tante kommen sollte und die kleine Prinzessin sich vor der Begrüßung fürchtete, weil die Tante so eklig ist und immer Küsschen geben möchte.
Die kleine Prinzessin versicherte also allen, dass sie die Tante auf keinen Fall zur Begrüßung küssen werde und verstecke sich unter dem Bett.

Die Königin weinte, weil sie unbedingt wollte, dass die Begrüßung (für die Tante) perfekt ablaufen sollte.

Und dann am Ende der Folge reiste diese Tante also an.
Die kleine Prinzessin kam sogar aus ihrem Versteck raus und begrüßte die Tante freundlich, aber diese wollte noch ihren Kuss.
Ein großer haariger Kußmund kann also auf die Prinzessin zu und sie ekelte sich furchtbar......

und dann überwand sie sich und küsste die Tante. Dafür bekam sie ein Geschenk. Es wäre gar nicht so eklig gewesen, wie sie befürchtet hatte, sagte sie dann.

???? HÄÄÄÄH??????

Ich saß völlig verstört vor dem Fernseher und konnte gar nicht glauben, dass das nun die Botschaft der Sendung war.
Es war das Hauptthema. Es ging während der ganzen Folge nur um diesen Kuss. Und die Botschaft ist also: "Ah komm, mach der Tante eine Freude und küss sie, wird schon nicht so schlimm sein?" Was ist das denn das für eine wahnsinnig beschissene Aussage.

Ich habe ja schon so einiges zu Prävention von sexuellem Missbrauch geschrieben. Das Thema finde ich wichtig und wir achten sehr darauf das Kind empfindsam für mögliche Täter oder Täterinnenstrategien zu machen.
Sie weiß, dass nur sie alleine über ihren Körper bestimmen darf. Dass heißt im Alltag zum Beispiel auch, dass wir sie nicht zum Naseputzen zwinge, wenn sie gerade keine Lust hat. Kleinigkeiten eben.

Sie weiß, dass nicht alles automatisch richtig ist, was Erwachsene machen.
Dass heißt im Alltag zum Beispiel, dass wir uns öfters bei ihr entschuldigen, wenn wir was blödes gemacht haben und ihr sagen, dass es doof von uns war. Oder auch, dass wir einfach nicht mit unserem "Erwachsensein" argumentieren. Und dass wir sie als vollwertigen Menschen respektieren.

In der alltäglichen Prävention vor sexuellem Missbrauch geht es nicht darum, dem Kind Angst zu machen. Also ich sage nicht: Du musst aufpassen und nie mit einem fremden Erwachsenen mitgehen, auch wenn er dir was tolles dafür bietet. (Wenn sie bisschen älter ist, werde ich aber sagen, dass es Erwachsene gibt, die wollen, dass das Kind ihren Penis oder Scheide berührt. Oder die selbst die Scheide oder den Penis von dem Kind anfassen wollen. Ich werde ihr sagen, dass das nicht in Ordnung ist, dass die Erwachsenen das nicht dürfen und das auch wissen. Dass sie das deshalb versteckt machen und dem Kind erzählen, dass es ein Geheimnis wäre. Dass es aber echt blöde Geheimnisse gibt und das wäre zum Beispiel so eins. Wenn so etwas passiert, dass kann das Kind zu mir oder einem anderen Erwachsen gehen und wir helfen ihr dann. Wichtig ist keine Angst zu machen und dann nicht so richtig zu erklären, was dann eigentlich passiert. Total blöd ist zum Beispiel: "Gehe nie mit einem Fremden mit. Der macht dann ganz schlimme Sachen.")

Wir versuchen unser Kind und auch unsere Betreuungskinder jeden Tag und in 1000 kleinen unbedeutenden Situationen darauf vorzubereiten, dass sie auf ihren Bauch hören sollen und dass Erwachsene im Normalfall darauf Rücksicht nehmen.

Ich denke mit Prävention ist es so. Es gibt eindeutig Fälle von sexuellem Missbrauch, vor denen man das Kind nicht schützen kann. Zum Beispiel wird sich kaum ein Kind dagegen wehren können, wenn der Erwachsene einfach seine körperliche Stärke anwendet.
So läuft es aber in den wenigsten Fällen. Meistens bauen Täter und Täterinnen Beziehungen auf. Der Missbrauch passiert langsam und schleichend. Die Kinder kennen diese Erwachsenen und mögen sie gerne. Täterinnen und Täter wenden fiese Strategien an um die Kinder zu beeinflussen. Ein Kind in der Weise zu stärken, dass es diese Strategien als "seltsam" für sich erkennt, ist auf jeden Fall eine riesige Aufgabe und nicht mit paar Gesprächen oder Bilderbüchern zu erledigen.
Eine konsequente und selbstkritische Reflexion des eigenen Umgangs mit dem Kind ist nötig. Man muss sich einfach entscheiden, würde ich sagen. Will man ein angepasstes "braves" Kind, dass gut funktioniert und halt vorraussichtlich auch gut für Täter oder Täterin funktionieren wird, weil es ja so erzogen wurde- oder will man ein Pippi Langstrumpf-Kind mit eigenem Kopf, was eben nicht so reibungslos funktioniert. Denn eins geht irgendwie nicht. Das Kind so "hinzubekommen", dass es bei mir brav allen die Hand gibt und immer gehorcht usw. und dann plötzlich aus heiterem Himmel in einer total komplexen und verwirrenden Situation die Stärke aufbringt "Nein" zu sagen und sich dann noch traut mir davon dann zu erzählen.
 Die Täter und Täterinnen sieben außerdem die potentiellen Opfer aus und suchen sich, wenn sie die Wahl haben, ein Kind, das sie als leichter "knackbar" einschätzen.
Pippi Langstrumpfs sind meistens zu anstrengend und fallen durch das Raster.

Wobei das natürlich alles nicht so schwarz weiß ist. Unser Kind, von je her als Pippi Langstrumpf erzogen, ist super kooperativ. In der Kita wird sie als "sehr brav" bezeichnet. "Gott, was haben wir nur falsch gemacht??!? ;-)"
 Aber sie ist es eben gewohnt, dass alle ihre Gefühle und Emotionen und Bedürfnisse von uns ernst genommen werden. Letztens hat eine Bekannte zu ihr gesagt: "Das kannst du noch nicht, dafür bist du zu klein". (Adultismus vom feinsten, denn es ging nicht um die Körpergröße, sondern darum eine Situation einzuschätzen.) Ich schaute das Kind an und das Kind schaute die Frau an und machte in völliger Gelassenheit weiter. Der Spruch war ihr glaube ich einfach so fremd und sie fand es so absurd, dass ihr jemand sagen will, was sie kann und was nicht.
Aber wird sie auch so cool sein, wenn ein Mensch den sie mag und dem sie vertraut anfängt sie zu manipulieren- keine Ahnung. Hoffentlich.
Man sollte einfach wachsam bleiben. Auch ein Pippi Langstrumpfkind ist natürlich nicht gegen alle Strategien geschützt.
Aber vielleicht traut sie sich dann wenigstens uns zu erzählen, dass da gerade was seltsames passiert. 

Und was ich irgendwie bisher ein bisschen ausgeblendet habe, was aber auch sehr wichtig ist, weil man das einfach wissen muss um Situationen richtig einzuschätzen oder Dinge zu deuten, die das Kind erzählt, ist, dass sehr oft die Täter und Täterinnen auch keine Erwachsene sind, sondern Jugendliche oder auch Kinder. Dazu ein anderes mal mehr.

Und jetzt schreib ich erstmal an  Kika.

Mittwoch, 6. April 2011

Frühlingssommerwochenenende und die Warum-Phase

Am Wochenende war es auch mal in Berlin richtig schönes T-Shirt Wetter.
So waren beste Tante, Kind und ich am Samstag im Zoo. Das war eine mittelgute Idee. Wir sind Zooverwöhnt.... bisher waren wir immer unter der Woche und hatten Platz und Ruhe. An dem ersten richtig warmen Samstag im Jahr hatten natürlich außer uns noch einige andere Berliner diese Zooidee.

Fischotter waren auch dieses mal der Favorit. Und Robben.
Aber eigentlich findet das Kind die Tiere im Zoo irgendwie gar nicht so wichtig. Bollerwagen ist das Ausflugsziel würde ich sagen. Sie zieht ihn alleine durch den ganzen Zoo und ist sehr zufrieden mit sich und der Welt.

Irgendwie sind wir dieses mal auch einen anderen Weg als bisher immer gegangen und standen plötzlich vor einem riesigen Spielplatz und einem Souvenirgeschäft.
Das Kind wählte diese schicke Kopfbedeckung.

Ich fand ein Teil für die Verkleidungskiste sei eine gute Idee und so rannte das Kind also als Eisbärbaby weiter durch den Zoo.
Erst die beste Tante machte uns darauf aufmerksam, dass das vielleicht etwas provokativ oder auch geschmacklos sei- so in Angesicht von Knuts tragischem Ableben.
Das erklärte wohl auch die Blicke.
Hier fiel mir dann Knut auch wieder ein. Meine Assoziationskette zwischen Eisbär und Knut war bis dato noch nicht so gefestigt. Ob wohl der Hut deshalb so preiswert war?

Gut, dass das Kind die Mütze nicht mehr trug als wir am Ausgang mit einer verrückten Demo zusammenstießen, die gegen die Ausstopfung von Knut demonstrierte. (Es ist doch schön, dass die Menschen für sinnvolle Ziele auf die Straße gehen, nicht wahr?)

Heute rief mich die Tante an und mir vorzuschlagen, dass wir das Kind nächsten Samstag mal zur Abwechslung als Elefantenbaby verkleidet durch den Zoo laufen lassen könnten. ;-)

Am Sonntag waren wir mit Freunden in unserem Garten.  es war so warm, dass die Kinder nackig rumgelaufen sind und wir uns in der Zeit mit dem englischen Rasen befassen konnten.

Da auf dem Grundstück unzählige riesige Kiefern wachsen, ist der Boden bedeckt mit Nadeln und Tannenzapfen. Nach stundenlangen bearbeiten, und Gras neu aussähen (und dann hat es auch die ganze Nacht sehr Gartenfreudig geregnet) warten wir nun also auf den englischen Rasen. Leider ist das Kind Barfuß auf irgendwas getreten...wahrscheinlich einen Tannenzapfen und hat eine ganz schön fiese Wunde an der Sohle.
Der Arzt sagt, es sieht alles prima aus- aber sie hat einen fetten Verband und kann gar nicht auftreten und ist sehr unglücklich mit der Gesamtsituation.
Und irgendwie habe ich mich auch zu einer Tetanusimpfung hinreißen lassen. Na ja, Tetanus ist ja wahrscheinlich in Ordnung, wenn wir die Gefahren des Gärtchen-Wäldchens beachten, die da noch lauern.


Themawechsel:
Wir stecken ja nun Mitten in der Warum-Phase und ich darf allen Eltern, die das noch vor sich haben schonmal versprechen, dass diese Phase eine wunderbare ist.
Wir haben nun schon herausgefunden, dass es unsere Aufgabe ist, genau zu ergründen, was genau die Frage ist.
Wenn das Kind also fragt: "Warum darf ich die Autoür nicht einfach so aufmachen, wenn da ein anderes Auto kommt?"
Und man antwortet: "Weil dann das andere Auto unsere Autotür einfach rausbrechen würde."
Sie: "Warum?"
"Weil es dann nicht schnell genug bremsen könnte?
Sie: "Warum?"
"Weil man einige Zeit braucht um auf die Bremse zu treten und dann braucht das Auto auch noch ein bisschen um dann anzuhalten"
Sie: "Aber warum?"

Und R. anhand von Reiswaffeln anschaulich zeigt, wie das dann wäre, wenn ein Auto die Reiswaffelautotür umnieten würde usw. ....
Und irgendwann (nach geschätzen 150 mal "Warum" ) ist es dann klar.
Das Kind möchte wissen, warum die Autotür kaputt geht, wenn ein anderes Auto dagegen fährt.
Ist diese Frage dann beantwortet sagt sie sehr befriedigt: Ja.
Und R. wischt sich den Schweiß von der Stirn.