Montag, 12. Juli 2010

Sexueller Missbrauch

ich habe mich lange und ausführlich mit sexuellem Missbrauch an Kindern beschäftigt und meine Magisterarbeit zu diesem Thema geschrieben.
Selbst betroffen bin ich nicht- aber durch zahlreiche Gespräche im Rahmen meiner Magisterarbeit habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass fast jeder und jede jemanden kennt der als Kind missbraucht wurde, manche waren selbst betroffen.

Mir ist es ein Anliegen Eltern für das Thema Missbrauch an Kindern zu sensibilisieren. Und weil ich heute eine neue Statistik gesehen habe aus der hervorgeht, wieviele meinen Blog eigentlich lesen, bin ich auf die Idee gekommen, dass es sinnvoll wäre hier das Thema aufzugreifen.
 

Etwa jedes 4.  Mädchen und jeder 9. Junge wird im Lauf seiner Kindheit  sexuell missbraucht.
Dabei handelt es sich  in 50% der Fälle um schweren Missbrauch. Das bedeutet Mastrubation an dem Täter/der Täterin oder an dem Opfer, analer, oraler oder vaginaler Geschlechtsverkehr, oder Einführen von verschiedenen Gegenständen in Scheide oder After des Kindes usw.

Bei den anderen 50% der Fälle ist der Körperkontakt nicht so intensiv, was aber wenig über die schwere des Missbrauchs bzw. die Traumatisierung des Opfers aussagt. Hierbei geht es z.B. um anschauen von Pornos, Anfassen des Busens oder des Pos, Zungenküsse, sexuell gefärbte Sprüche usw.

Die Mehrzahl der Opfer werden mehrmals missbraucht, wenige nur einmal. Dies belegt auch, dass die meisten Täter eben nicht der berühmte Fremde mit den Bonbons auf dem Spielplatz ist, vor dem die meisten Eltern warnen, sondern viel häufiger aus dem nahen Umfeld des Kindes kommt und so Gelegenheit hat, dass Kind über einen längeren Zeitraum zu missbrauchen.
Es gehört zu den Strategien eines Täters oder einer Täterin sich z.B. einen Beruf im nahen Umfeld von Kindern auszusuchen.
So finden sich viele Täter und Täterinnen unter Erziehern und Erzieherinnen, Lehrern und Lehrerinnen, in Sportvereinen und Kinder- und Jugendfreizeiten.

85% der Täter sind männlich und heterosexuell. 15% sind Frauen. Wobei es hier auch spannend ist, dass die Zahlen sich nur auf die kleine Zahl der Fälle bezieht, die ei der Polizei angezeigt werden. Es ist davon auszugehen, dass Fälle mit Täterinnen seltener zur Anzeige kommen, als die mit männlichen Tätern. Zum einen wird Kindern noch weniger geglaubt, wenn sie von einem Missbrauch von einer Frau berichten zum anderen glaubt man, dass der Missbrauch "weniger schlimm" gewesen sein muss. (Was allerdings  nicht der Wahrheit entspricht).

1/3 der verurteilten Täterinnen und Täter sind unter 18 Jahre alt. Wobei man hier auch von einer größeren Dunkelziffer ausgeht-


85% der Opfer sind Mädchen. Oft sind die Kinder zwischen 6-12 wenn der Missbrauch beginnt. Es werden aber durchaus auch viel jüngere Kinder, Kleinkinder und Säuglinge.

Es gibt Hinweise darauf, wenn ein Kind missbraucht wird. Diese sind aber nur als erste Orientierung zu sehen und natürlich keinesfalls Beweise. Jedes Opfer benimmt sich anders.
- ist mein Kind immer seltsam, nach dem es mit diesem Erwachsenen oder Jugendlichen alleine war?
-schafft ein bestimmter Erwachsener/Jugendlicher in unserem Umfeld immer wieder Situationen, in denen er mit meinem Kind alleine sein kann?
-habe ich gehört oder mitbekommen, dass ein Erwachsener/Jugendlicher öfters "medizinische Gründe" nennt um mein Kind auszuziehen oder am ganzen Körper einzucremen. (Z.Bsp. wegen Zeckensuche nackt ausziehen)

Immer wenn ein Kind von sexuellem Missbrauch berichtet muss man es ernst nehmen. Ganz häufig erzählen Kinder erstmal kleine Ausschnitte aus dem ihnen passierten um zu schauen, wie der Erwachsene dem sie sich anvertrauen reagiert. Oder auch, weil ihnen einfach die Worte fehlen um genau auszudrücken, was passiert ist.
Man sollte in einer solchen Situation versuchen ruhig zu bleiben und dem Kind geduldig zuzuhören und ihm das Gefühl zu geben, dass man ihm glaubt. Der nächste Schritt wäre es eine Beratungsstelle aufzusuchen und natürlich das Kind nicht mehr mit dem Täter oder der Täterin alleine zu lassen.

Gerne verschicke ich meine Magisterarbeit als pfd, wenn jemand von Euch die Quellen zu den Infos haben möchte oder einfach in das Thema tiefer einsteigen will.
Ich habe in meiner Arbeit den Schwerpunkt auf Prävention durch Bilderbücher gelegt, die das Thema "Sexueller missbrauch" thematisieren. Viele Bilderbücher die auf dem Markt sind, sind wirklich doof und wirken nicht präventiv sondern eher angstmachend und schuldauslösend. Es gibt aber einige, die ich wirklich weiterempfehlen kann.
Wenn es euch interessiert, kann ich gerne dazu nochmal was schreiben.

Ich bin mir bewusst darüber, dass der Post sehr aufwühlend ist und natürlich sind die knappen  Infos auch irgendwie unbefriedigend.


4 Kommentare:

Alla hat gesagt…

Hallo Ola,
ich finds gut, dass du das Thema ansprichst. Unser Sohn ist jetzt dreieinhalb und ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie man ihn diesbezüglich sensibilisieren könnte ohne ihm Angst einzuflössen. Ich würde mich freuen, wenn du mal ein, zwei deiner Meinung nach gute Bücher nennen würdest!
LG
Alla

19nullsieben hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym hat gesagt…

Hallo Ola, würdest du mir deine Magisterarbeit schicken, per Mail? Das wäre klasse!

paprika-leipzig(ät)web.de

Danke

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.