Vor kurzem hat Manati-Mum
darüber geschrieben, dass Moritz es geschafft hatte an einem Abend
alleine einzuschlafen. Wow...ich war beeindruckt. Ich las den Post total interessiert, weil wir uns
auch fragten, wann und wie das mit dem alleine Einschlafen wohl
funktionieren wird.
Obwohl bisher das mit der "Kindererziehung" im
Großen und Ganzen viel einfacher als gedacht war.
Es funktioniert in etwa
so:
Wir machen gar nichts (weitesgehend bin ich da mit Tom Hodgkinson einer Meinung) und das Kind wird immer coller, lustiger,
schlauer und größer.
Sie lernt alles was man so zum Leben braucht
einfach von selbst. Mit 9 Monaten lief sie los, mit 15 Monaten begann
sie zu sprechen, mit 19 Monaten brauchte sie plötzlich keine Windel
mehr, Abgestillt haben wir gemeinsam nach einem Gespräch, bei der ich
ihr erklärte, dass ich es echt gerne gemacht habe aber nun keine Lust
mehr habe.
Schnulli fand sie immer doof, "Danke und Bitte" sagen
finden wir nett, aber jemanden (auch wenn der "jemand" drei Jahre alt ist) darauf hinzuweisen, dass man "Bitte und Danke" sagen sollte, finden wir extrem unhöflich....deshalb haben wir da noch nie irgendwie "erzieherisch" auf das Kind eingewirkt, aber sie sagt es trotzdem - mit großem Enthusiasmus.- Wie auch "Guten Tag" (und das mit noch größerem Enthusiasmus und einfach zu allen Menschen, denen wir im Alltag begegnet und auch zu allen an denen wir nur vorbeilaufen). Keine Ahnung....was sind sonst noch die üblichen Erziehungsziele in diesem Alter? Mag sein, dass ich in einigen Jahren anders darüber denke....zur Zeit wird das Kind ganz von alleine sehr gesellschaftsfähig- falls das hier überhaupt das Ziel ist oder sein sollte.
Also: Schlafen funktioniert bei uns so.
Nach der Geburt des Kindes
kauften R. und ich eine riesige Matratze und schlafen seitdem gemeinsam
darauf. Zu Dritt- manchmal noch mit Hund zu unseren Füßen.
Wenn
wir wollen würden, könnten wir das Kind mittlerweile auch in das
zusätzliche Gästebett legen- da würde sie sicher auch einschlafen- aber
wir finden es viel "heimeliger" so zusammen. Wenn sie aber mal alleine
schlafen will bzw schlafen wollen würde, dann wäre das natürlich absolut erlaubt ;-).
Einschlafen ging lange lange Zeit mit Stillen. Und dann mit Geschichtenerzählen und Kuscheln.
Dann habe ich R. und dem Kind des Post von Manati-Mum vorgelesen.
Vorgestern habe ich dann gefragt, ob sie es auch eigentlich mal alleine versuchen will.
JAAAAA!!!! (Okay...sie hat Ja gesagt....leichte Verwirrung meinerseits....aber nun gut. Dann soll es geschehen.)
"Okay. Dann kuschel ich dich hier ein und lass die Tür auf und gehe ins Wohnzimmer. Kuss Kuss, Schlaf gut!"
Nun beginnt ein reger Verkehr im Flur. Jede 20 Sekunden stürmt ein sehr gut gelauntes und sehr aufgeregtes Kind zu mir ins Wohnzimmer um mir Verschiedenes mitzuteilen.
Ich sitze auf dem Sofa und lese und schmunzel.
1. "Du, ich muss dir was ganz wichtiges sagen: Ich habe am 7. Juli Geburtstag"
2. "Du, aber die Überraschung morgen früh, die soll aus Schokolade sein". (Aha....jetzt verstehe ich das begeisterte "JA!". Sie hat sich also gemerkt, dass Moritz einen Schokokuchen bekommen hat. Die neue Erkenntnis: Mein Kind macht also alles für Süßigkeiten. Leicht beunruhigt lese ich weiter.)
3. Ich höre sie aus dem Schlafzimmer glücklich seufzen: "Ah wie toll!" (spricht sie sich Mut zu?)
4. R. kommt heim. Er schlägt ihr gleich vor, dass er sich zu ihr legt: "Nein, auf keinen Fall- das mach ich ganz alleine. Niemand darf sich zu mir legen."
5. "Du ich muss dir was ganz dringendes sagen: hast du gesehen, wie hell es draußen noch ist?"
6. R. sagt dem Kind, dass wir morgen früh gerne auch den Versuch groß feiern. Auch wenn es heute noch nicht ganz klappt. Er könnte sich gerne zu ihr legen. (Ich muss über R. leise in mich hineingrinsen. Vielleicht braucht er morgen früh zur Belohnung einen Schikokuchen eher als das Kind. Dieses versucht es nun seit 10 Minuten, ist total guter Laune und voller Vorfreude.)
7. Das Kind stürmt nochmal ins Wohnzimmer: "Papa, du darfst mich nicht ins Bett bringen heute, das mache ich alleine." (Okay- er hat es kapiert und legt sich mit einem Buch neben mir aufs Sofa.)
8. Das Letzte was wir von ihr hören, ruft sie uns aus dem Schlafzimmer zu: "Aber sagt mir bloß bescheid, wenn es schon morgen früh ist!!!"
Und dann nach insgesamt 15 Minuten aufgeregtes Rumgelaufe ist es nach wenigen Minuten plötzlich ganz still im Schlafzimmer. Das Kind schläft. Ich freu mich total für sie.....und geh nochmal einkaufen....wegen der Schoko.
Morgens wacht das Kind auf und ist begeistert: "Ich habs geschafft!!! Ich bin alleine eingeschlafen!!!!"
Dann gibt es Himbeertörtchen und Luftschlangen im Bett und auch Schoko.
Das Kind ruft stolz Oma an und erzählt ihr aufgeregt was passiert ist. Die Oma ist auch beeindruckt und verspricht auch eine Überraschung zu schicken. "Und heute Abend?" Kind: "Na dann schlaf ich auch alleine ein- ich kann das ja jetzt!" Wer weiß.....ist ja auch egal. Wir haben jedenfalls wild gefeiert!
Gestern Abend: "Na, soll ich mich zu dir legen, oder probierst du es nochmal?" Kind: "Na, ich schlafe natürlich alleine- jetzt kann ich es doch"
Wieder beginnt eine bewegte Flurzeit in der das Kind und noch allehand Wichtigkeiten mitteilt. Sie ist nicht ganz so begeistert wie beim ersten mal...aber immer noch sehr entschlossen. Am Ende sitze ich in der Tür und sie schläft tatsächlich wieder alleine ein.
Heute Abend sind noch alle Karten offen. R. liegt noch bei ihr und liest ihr eine Gute Nacht Geschichte vor....mal sehen.
P.S. Einige male rübergekommen. R. legt sich zu ihr, sie schickt ihn weg. Wieder einge Wanderungen über den Flur. Ich sage, dass ich mich etwas zu ihr kuschel und dann aufstehe. (Sie will es ja unbedingt alleine schaffen). Ich liege so da und beobachte wie ihr nun doch die Augen zufallen. Als ich gerade überlege, dass ich jetzt nun aufstehen sollte, weil ich es ja versprochen habe, flüstert sie mit letzter Kraft: "Du musst jetzt verschwinden....ich bin schon total müde."
Ich bewundere den eisernen Willen und beschließe mir eine Scheibe davon abzuschneiden.
P.P.S. Ich habe mir meinen Post nochmal durchgelesen. R. und ich sind einfach bekloppt. Echt. Vielleicht R. noch ein bisschen mehr als ich....aber so über den Daumen gepeilt sind wir zwei einfach Idioten- wir haben ihr das einfach nicht zugetraut....aber das Kind ist zum Glück ein eigener Mensch....und ein Toller.
_________
Edit: Vierter Abend. Irendwie flutscht es heute nicht und R. bringt das Kind schließlich ins Bett. Aber das hat sie (und R.) sich auch verdient. ;-)
7 Kommentare:
Hallo,
die "Story" ist echt zum schmunzeln!!!
Das hat das Kind echt supi gemacht, könnt ihr stolz drauf sein und jaaaaaa man kann auch viel mit "einfach LIEBE" erreichen, ihr seid ein guter Beweis dafür!
Liebe Grüße
Vivien
Hallo!
habe auch den Post bei Moritz verfolgt und lese nun deinen, es freut mich für euch :-)
Nur ganz kurz (leier wenig Zeit...) - ohne dass ich das in Frage stelle dass es so funktioniert - ich stelle mir *manchmal* die Frage, wie man denn einen solchen Umgang mit dem Kinde schaffen soll, speziell wenn zB noch (jüngere) GEschwister da sind. Dann muss ich entgegen allem was man sich vorgenommen hat eben doch eingreifen oder irgendwie anders klarkommen. Nicht falsch verstehen, ich finde es toll wie es bei euch klappt, aber ich frage mich, wie man das auch umsetzen kann, wenn viele verschiedene Interessen und BEdürfnisse aufeinanderprallen.
Vielleicht hat ja jemand Lust, da noch ein paar Erfahrungen zu teilen?
Grüße,
Mareen
@Mareen: Ich überlege gerade, was genau Du fragst und bin mir unsicher. Ich schreib mal bisschen zu allem. Also ganz klar- ich finde Grenzen müssen schon sein, wenn mehrere Menschen zusammen sind und ich finde auch, dass meine und R.s Grenzen genauso wichtig sind, wie die von dem Kind. Ich versuche das auch klar gegenüber R. und dem Kind zu kommunizieren und vor allem rechtzeitig zu bemerken, wo meine Grenzen sind.
Was ich da am Wichtigsten finde, sind klare "Ich-Botschaften". (Das versuche ich auch bei Streitereien zwischen R. und mir....aber da gelingt es mir seltener- komisch.) Also ich sehe es nicht so, dass ich ein fertiger Mensch bin und das Kind ein unfertiger und ich ihr somit die Welt nun erklären muss. Deshalb würde ich nie sagen, dass sie sich nun bedanken soll. (Wobei ich mich dann bedanke.)
Wir schimpfen und nörgeln und flippen aus (R., das Kind und ich und manchmal auch der Hund)....weil das ja auch nicht immer so geht, wie man es will.
Ich finde Grenzenlosigkeit blöd. Ich denke, dass alle- auch Kinder- da schnell überfordert sind. Aber ich denke, dass Menschen wenn dann durch Nachahmung lernen und nie durch "von oben herab".
Und ich glaube übrigens auch, dass wir Vieles übertreiben, weil wir eben nur ein Kind haben.(Bestes Beispiel war wohl die "Alleine Einschlaf Aktion". Wobei wir ja auch schon lange hier Kinder betreuen.....aber klar- da läuft es schon ein bisschen anders....aber mein Prinzip ist gleich. Ich-Botschaften und Grenzen von allen respektieren.
Falls wir mal irendwann ein weiteres Kind bekommen, dann würde ich das mit dem Schlafen allerdings von Anfang an anders machen.
ABER ich habe eine Bekannte- die ist super streng mit ihren Kindern und spricht auch keinesfalls in IchBotschaften usw. Aber die ist echt irgendwie so authentisch- dass ich mir auch gut vorstellen kann, dass ihre Kinder auch es auch echt gut haben und in sich ruhen.
Wie läuft es denn bei dir?
Liebe Grüße
Hallo Mohnmarzipan ;-)
oh danke! So schnell und so eine lange Antwort... ja ich glaube, das ist schwierig so in Kommentaren zu klären... mal eben die Quadratur des Lebens klären ;-)
Ich denke vieles hast du ja schon angesprochen, es ist auch "schön" zu hören, dass auch ihr manchmal "ausflippt" *grins* - meine Frage ging größtenteils in die Richtung, wie ich meine Grenzen und zB auch die des Babys vor zB meiner fast 3 jährigen Tochter verteidige, klingt vielleicht komisch, aber da ist momentan oft unsere Baustelle. Sie will so viel (oft auch helfen), ,aber irgendwann ist es eben auch dem Baby zu viel, und beim Stillen den Kopf krabbeln ist nur teilweise schön... sowas zum Beispiel. Und sie akzeptiert die Grenze so schwer, hat manchmal mit sehr nervenaufreibenden Wutanfällen zu kämpfen. Alles in allem eine herausfordernde Zeit gerade, auch wenn es heute ganz gut ging, obwohl ich mit meinen drein alleine war (4,2, 3 monate) - aber ich hab oft das Gefühl, ich bin dann für die Kinder klarer in meinen Ansagen.
Was würdest du denn ändern weil du das ansprachst beim Schlafen?
Grenzenlosigkeit finde ich auch blöd, und das mit dem Nachahmen unterschreibe ich auch *:-)*
Liebe Grüße,
Mareen
Wenn ich möchte, dass das Kind die Grenzen von Jüngeren wahrt, die es nicht selbst artikulieren können, dann sage ich Sachen wie: Schau mal, meinst du ihm/ihr efällt das noch?
(So machen wir es übrigens auch im Umgang mit unserem Hund (*g*).)
Und anders würde ich beim Einschlafen Folgendes machen:
Ich würde sie einfach anz selbstverständlich zum Einschlafen hinlegen. Aus irendweinem rund hatte ich immer das Gefühl, dass sie es ja sicher nicht ohne uns kann....wir haben es nie versucht. Wobei ich auch irgendwie vermute, dass es einfach auch eine Charaktereigentschaft vom Kind sein kann....also keine Ahnung.
Heute hatte ich übrigens ganz viele blöde Ausgeflipptheiten, war von jedem Pups genervt und habe Sachen gesagt wie: "Ich will jetzt mal, dass mich alle in Ruhe lassen. Ich brauche jetzt mal echt Zeit in der ich alleine was für mich machen kann." Zwar in ganz tollen Ich Botschaften....aber trotzdem fies. ;-) Scheiß Tag.
es fehlen jede Menge Gs, weil die G-Taste klemmt.
:-)
danke für die Antwort!
Na dann versuchen wir es einfach nochmal mit der Frage "was meinst du" - mal sehen was das bringt... oft will sie ja einfach gar nicht zuhören... vielleicht berichte ich über Erfolge nochmal an dieser Stelle :-)
Interessant, was du zum einschlafen schreibst, ich denke auch, dass es bestimmt vom Kind abhängen kann, wie es einschlafen mag. Unsere Jüngste zB WILL igendwann einfach nur in ihrem Bettchen liegen (steht im WZ, sonst schläft sie neben mir), und ein bisschen duseln und dann einschlafen, sie will dann auch nicht rumgetragen werden. Also wie immer *grins* wenn es so einfach wäre... jedes Kind ein Individuum und es ist eine lange Reise, sich kennenzulernen...
Beste Grüße!
M
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