Dienstag, 5. Juni 2012

Was habe ich für einen Müll studiert?

Echt mal....wäre ich nochmal 19 Jahre alt, dann würde ich Hebamme werden.....oder ich würde Sozialpädagogik an der FH studieren.
Ein universitärer Abschluss in Erziehungswissenschaft will kein Mensch.
Ja, das Studium war ganz nett.....ich habe viel zu Prävention von sexuellem Missbrauch gelernt und zu pädagogischen Bilderbüchern, ich habe eine nette Studienzeit gehabt, mit Demos, WG-Küchen und vielen Gesprächen bei Rotwein und Zigaretten. Ich habe viel rumgejobbt (selten was Studienbezogenes leider) und nun bin ich über 30 Jahre alt und habe also einen Magisterabschluss (das ist wenigstens ganz nett- mir scheint es in den Stellenanzeigen wird Magister und Master gleichgesetzt) und keinen Beruf gelernt und es gibt überhaupt keine Stellen für diesen blöden Abschluss.
Gerne kann ich als Soz Päd irgendwo anfangen, oder als Erzieherin. Alles ganz nette Berufe.....und ich könnte mir vielleicht auch die dafür vorausgesetzten Fertigkeiten selbst anlesen ( denn das ist es ja, was man in so einem Geisteswissenschaftlichen Studium lernt. Lesen.)....aber WARUM habe ich dann nicht so eine Erzieherinausbildung gemacht oder echt spaßig kurz und knackig an der FH studiert, wie R.???

Ich bin ein Volkswirtschaftlicher Totalschaden....irgendjemand aus meiner Generation hat es letztens so genannt. Das sind Leute die also ewig studieren um dann nicht in diesem Bereich zu arbeiten.
Erziehungswissenschaftler verdienen gut 1000€ brutto mehr als Sozialpädagogen.....deshalb werden sie kaum angestellt. Eigentlich nur an der Uni...dazu habe ich weder Lust noch die nötigen Conections.
Grundschullehramt wäre fein, dämmert es mir.
Ich erkundige mich da gerade. "Guten Tag, ich habe gerade das Studium beendet. Erziehungswissenschaften und Germanistik.....wollen wir nun vielleicht die Vernunft gelten lassen und daraus einen echten Beruf basteln? Grundschullehramt zum Beispiel?"

Wir überlegen auch gerade ob SOS-Kinderdorf-Eltern nicht ein echt passender Beruf für uns wäre. Wir haben uns da erkundigt. Wenn R. mit seiner Erzieherausbildung da einsteigt, dann startet er mit einem echt guten Gehalt (wirklich etwa auf Erziehungswissenschaften Niveau- AHA!). Man bekommt ein Haus und Garten gestellt (glaube ich) und kann da mit der ganzen Familie einziehen. Einer von uns würde dann auch noch "ausser Haus" arbeiten.
Kinder finden wir ja eh gut. Und ich denke wir sind auch eigentlich im Stande mit Kindern liebevoll und richtig umzugehen die Schlimmes erlebt haben. Ich denke schon, dass wir gute Pädagogen sind. (Eigentlich das Einzige was wir können, denke ich mal.)
Unser Kind hätte dann plötzlich Geschwister- das wäre auch schön.
Irgendwie platt war ich zu lesen, dass man sechs Kinder bekommt. Dann sind wir mit einem Schlag eine Großfamilie. Und natürlich sollte man sich vorher überlegen, ob man diese Familie eine Generation begleitet. Die Kinder sind 0-12 Jahre wenn sie zu uns ziehen und  bleiben bis sie 18 Jahren alt sind. (Dannach hat man natürlich immer noch diese sechs Kinder, aber wohnt dann nicht mehr zusammen.)
Das macht mir irgendwie echt Angst- ganz schön gebunden- ganz schön viel Verantwortung.
Was ich noch seltsamer finde ist, dass man ja dann in einem Angestelltenverhältnis ist und somit Anspruch/Pflicht auf Urlaub und freie Tage hat. "So Tschüss meine Kinder, ich nehme jetzt meine Frau und mein "echtes" Kind und fahre in den Urlaub und ihr bleibt hier mit der Familienhelferin". Das schnürt mir auch irgendwie leicht die Kehle zu.
Wir schauen uns mal so ein Kinderdorf vielleicht bald mal an. Ist ja schon was anderes als darüber nur zu lesen.

Ansonsten bewerbe ich mich auch brav auf Soz Päd Stellen und schaue was so kommen mag. Ob man sich wohl als Kitaleitung bewerben kann, wenn man kaum in einer Kita gearbeitet hat? Blöd, oder?
Gedenkstättenpädagogik? Ich kann ja mal zumindest echt gut polnisch sprechen.....

Das ist irgendwie so wie Abizeit (was will ich werden?) nur dass es nicht mehr so spassig ist und dass man sich fragt, was man wohl die ganzen Jahre während des Studiums gedacht hat.

Das Kind hat auch stets gute Ideen. Eine Eisdiele sollten wir eröffnen! Oder eine Konditorei!


P.S.
Neu entdeckt und für sehr gut befunden. Am Donnerstag um 19Uhr gibt es ein Kurzkonzert bei Dussmann- Eintritt frei.



5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich teile dein Schicksal :-) Bin Dipl.-Päd. und arbeite seit 4 Jahren als Sozialarbeiterin...natürlich auch mit einem SozialarbeiterInnen-Gehalt! Und jetzt, wo ich mich mit diesem Schicksal abgefunden habe & mich weiterbilden will geht das nicht weil ich keine Diplom-Sozialpädagogin bin....*heul*
Aber Kopf nicht in den Sand stecken, du findest bestimmt was! Und als Kita-Leitung kannst du dich auf jeden Fall bewerben...
Liebe Grüße

Anonym hat gesagt…

hi, hm, ich habe leider - beeinflusst von meinen eltern - nach dem abi was "ordentliches" gelernt und seitdem in dem beruf gearbeitet... ich habe nie demos und wg-küchen, semeesterferien und "nette studienzeit" erlebt. und bereute das heute.

dafür bin ich ein braves mitglied der gesellschaft und zahle steuern, seit ich 23 bin... durchgehend seit 20 jahren..

hm, auch nicht optimal. habe freunde, denen es wie dir geht - beides ist nicht perfekt

ps: mit den jobs (bürojobs) hab ich mich arrangiert, just love what you do...

Christiane Jordan hat gesagt…

Ich habe bewußt etwas studiert worin ich nicht arbeiten wollte und mir war klar ich mache etwas anderes, aber das ist nicht immer leicht zu erklären.. meinen eigentlichen Job gibt es nur in der Forschung und der Pharmazie und die können mir beide den Buckel runter rutschen.. Was ich sagen will, sehe es nicht zu verbissen, denn ohne diese Zeit, wärst Du nicht da, wo Du heute stehst und deine Chance kommt. Das mit dem Kinderdorf finde ich toll, aber auch eine ganz große Umstellung, Herausforderung und Aufgabe.. überlegt es Euch gut .
Lieben Gruß
--Christiane

Manati-Mum hat gesagt…

haha, mein kommentar ist zu lange! Hast du eine email adresse?

lg
kat

MohnMarzipan hat gesagt…

Hab dir eben eine mail geschickt. ;-)